Geräte-Test Mono-Endverstärker "Fusion No.700"
("kleiner Bruder" und Vorgänger des momentan in Entwicklung befindlichen

Modelles Fusion No.9000)

Die Fachzeitschrift "HÖRERLEBNIS" schreibt:

   


Die aktuelle "Ultima Ratio"?

von Alexander Aschenbrunner

Wie jeder, der WBE kennt, weiß, ist die Verstärkerspezialität von Walter Bret das Hybridkonzept. Und wie jeder Hersteller des HighEnd-Segmentes hat auch er ein Verstärker-Topmodell im Programm, das seine Produktpalette nach oben hin abrundet. Die Krönung seiner Endstufenbaukunst hört auf den Namen Fusion No. 700. Um es "richtig gut" zu machen, hat Walter Bret seit Jahren diese Doppel-Mono-Hybrid-Leistungsendstufen im Programm. Als Musiker ist ihm der "Röhrenklang" lieb. So ist es nicht verwunderlich, wenn seine Verstärker auch mit diesem Medium arbeiten. Als ich ihn vor Jahren kennenlernte, führte er mir "seine" Anlage vor, die verständlicherweise aus den Spitzenprodukten seines Programms bestand. Lange genug habe ich mich um die großen Endstufen herumgedrückt.
Jetzt waren sie fällig. Optisch exakt mit dem Aussehen der mir bereits bekannten WBE-Endstufen, sind sie technisch gesehen ein Hybridkonzept, das in Form einer Monokonstruktion realisiert wurde.
Zu den technischen Daten gibt es schlichtweg nichts zu sagen. Es wäre einfach langweilig, würde ich hier bloße Meßwerte aufzählen - nur soviel: Wie immer sind die Werte selbstverständlich und wie erwartet tadellos. Also direkt zum Musikhören.

Kommentar

Exemplarisch erscheint mir "La Luna" von der CD "the color of latin jazz" als Eröffnungsstück für den Musikteil wie geschaffen. "oye come va" bringt es ebenfalls deutlich zu Tage: Congas, Sax - ohne Ende Klang, Esprit und Kraft. Ein Baßsolo, das einsetzende Schlagzeug ... ich bin geneigt zu sagen: "Laß' es kommen, Baby". Ein (sorry) "furztrockenes" Schlagzeug sorgt für den taffen Takt - paff, paff, tschak, tschak. Der Begriff Dynamik wird urplötzlich zur optoakustischen Realität und wahrlich in sich nachvollziehbar. Dann die einsetzenden Bläser - einfach traumhaft echt. Bläser? Ja, da fällt mir doch sofort eine "special limited edition" im Original Master Recording System gepreßter und von "The Modern Jazz Quartett" bestens in Szene gesetzter Jazz ein. Special Guest hier: Sonny Rollins. 180 Gramm feinstes Vinyl dreht sich auf dem Plattenteller. Kaum setzt der Tonabnehmer auf, geht das Spektakel los. Der Raum ist schlagartig voller Musik. Außerordentlich ausdrucksstark werden die einzelnen Instrumente wiedergegeben. Beispielsweise der Anschlag des Pianos: oftmals kurz und hart, aber auch leicht schwebend, je nach Spielweise des Musikers, so auch das Vibraphon. Ein Instrument, das von vielen Anlagen nur in simplen "pling, pling"-Tönen abgebildet wird. Nicht hier: Wenn Metall klingt, dann wird es aufgezeigt und zwar so wie es tatsächlich ist.
Selten verlaufe ich mich im klassischen Musiklager, aber jetzt will ich Stimme hören. Exemplarisch hole ich mir Maria Callas in die private Vorstellung. Puccini mag ich im Grunde sehr gerne, also bitteschön: Maria Meneghini Callas singt Opern-Arien von Giacomo Puccini. Ich werde immer ruhiger, nachdenklicher und bin schließlich ergriffen von der musikalischen Darbietung. Pause.

Nächster Tag, nächster Musikstil. Diesmal erstklassiger, straighter Rock von Graham Parker. Ein Live-Mitschnitt vom 3. und 4. Juni 1995 aus New York, auf schwarzem Vinyl verewigt. GP's teilweise sehr zornig vorgetragener Rock fordert die Stereoanlage in punkto sauberer Darstellung der Instrumente besonders. Da kann schon mal aus einem schrägen Gitarrensolo sehr leicht lediglich schnödes Gekreische werden. Hier mache ich lauter. Voller Sound und dabei sauber abgegrenzte Instrumente, des Sängers Gaumenzäpfchen wird regelrecht akustisch sichtbar. Ich befinde mich im musikalischen Rausch und habe genug gehört. Mich hat dieses Endstufen-Duo absolut überzeugt.
Vergleiche? Die gibt es nicht im Hörerlebnis. Aber lassen Sie es mich mal allgemein formulieren: Im Gesamteindruck wirken so manch andere Endstufen gegen die WBE wie lauwarme Milch. Bei dieser wird die Luft förmlich greifbar. Wen wundert das? Die WBE Fusion No.700 macht Musik lebendig - und sonst gar nichts. Musikhören mit diesem Verstärker-Duo macht einen Riesenspaß. Ich kenne HiFi-mäßig sicherlich auch noch andere geile Angelegenheiten, aber das hier Gehörte zählt zweifelsfrei dazu.
Es ist vollbracht. Nun kenne ich alle derzeitig aktuellen WBE-Endstufen und kann abschließend beurteilen, für welchen Einsatz das jeweilige Produkt geeignet ist. Die Palette der WBE-Leistungsverstärker bietet für jeden High-Fidelity-Liebhaber das Passende. Jede der Versionen besitzt ihren eigenen Charakter. So besticht die Stereotransistorendstufe Essence No.300 durch ihre grundehrliche Wiedergabequalität. Die Stereo-Hybridversion Fusion No.400 bringt den Schmelz der Röhre zum Transistor und die Mono-Hybrid-Version Fusion No.700 sorgt mit ihrer schieren Kraft dafür, daß auch das Oberhaus der HiFi-Ansprüche vollends befriedigt wird.
Ganz klar - der letztgenannte Leistungsverstärker ist der Beste aus dem Hause WBE. Er stellt Walter Brets derzeitige ultimative Antwort auf alle anderen, klanglich potenten Endstufen dieses Segmentes dar. Antrittstärke, Impulsstabilität und vor allem Ausdrucksfähigkeit dürfen getrost mit überragend bewertet werden.
Über die Verarbeitung weitere Worte zu verlieren, würde erneute Wiederholung bedeuten. Selbstredend ist auch die Fusion No.700 mit derselben Akribie wie ihre kleineren Schwestern handgefertigt.

Was kann sie besonders gut? Für mich ist die herausragende Eigenschaft dieses Verstärkerpaares seine Röhrenunauffälligkeit. Damit will ich sagen, daß ich noch nie eine Röhre so wenig im Gehörgang hatte, wie bei diesem Produkt. Wüßte man nicht, daß es sich im Eingang um besagte streng selektierte E83CC handelt - man würde es nicht glauben, daß hier eine Röhre für den äußerst flüssigen und dabei doch sahnigen Klang sorgt.
Gibt es etwas, was diese Endstufen nicht können? Ja, sie können nicht laufen, fliegen, schwimmen und sich selbst vermehren können sie leider auch nicht, was ich persönlich äußerst betrüblich finde (die Hege und Aufzucht der Jungen würde ich gerne übernehmen). Spaß beiseite, dieses Verstärkerdoppel gehört eindeutig in die Kategorie der Traumgeräte. Sie werden wahrscheinlich erheblich mehr Geld ausgeben müssen, um diese Verstärkerpotenz, gepaart mit derart unglaublicher Dynamik, Souveränität und Ausdrucksfähigkeit nochmals zu erleben. Ob ich WBE-gläubig bin? Nein, nur schlichtweg überzeugt. Sehen Sie bitte mal in meiner Liste der Gerätschaften unter Punkt: Vorverstärker. Da spielt der kleine WBE Purist No.48 "ganz groß" mit. Im Grunde ist dieses Gerät (noch) ein wirklicher Geheimtip und mit ihm habe ich WBE-Verstärker erstmalig gehört und sehr schätzen gelernt.

Fazit:

Zweifelsfrei spielt die WBE Fusion No.700 in der "Champions League" ihrer Klasse. Deshalb gilt: Wer eine außerordentlich harmonisch klingende Endstufe sucht - der die "Livehaftigkeit" noch dazu mit in die Wiege gelegt worden ist - und daneben auch noch Fan des Doppel-Mono-Gedankens ist, der findet in der Fusion No.700 bestimmt auch seine persönliche high-fidele "Ultima Ratio".  AA 

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