WBE-Firmenportait: 10 Jahre WBE .....
(Firmenportrait aus vergangenen Tagen)


Die Fachzeitschrift "HÖRERLEBNIS" schreibt:

 
   

"Wenn ich meine Geräte nicht mehr so bauen kann, wie ich das will,
höre ich lieber auf!"


... so Walter Bret anläßlich meines Besuches in Schwieberdingen (nahe Stuttgart) zwecks dieses Firmenportraits. Doch keine Angst, WBE-Geräte wird es noch lange geben, da bin ich mir sicher. Grund für diese Äußerung war die Geschäftspolitik eines Chiplieferanten, der sich aufgrund einer Quasi-Monopolstellung nicht nur eine saftige Preiserhöhung genehmigt hatte, sondern sich auch eine dementsprechende "Nehmen Sie's oder lassen Sie's - aber wenn Sie die Teile brauchen, müssen Sie die ja sowieso zu unserem Preis kaufen"-Haltung im Verlaufe eines Telefonats leistete. Was an arroganter Ignoranz auf dessen Seite so eindeutig zum Ausdruck kam, hatte Herrn Bret so sehr in Rage gebracht, daß es in obiger Aussage gipfelte. Aber wirklich ans Aufhören denkt der Mann keineswegs, das merkt man im Gespräch schnell. Dafür hat Walter Bret einfach zuviel Spaß daran, seine kleine Manufaktur zu betreiben. Aber Preistreiberei fuchst den sonst gemütlich-gutgelaunt wirkenden echten Schwaben halt schon sehr. Zumal er bei seinen eigenen Produkten gerade auf die Preis-/Gegenwert-Relation größten Wert legt und deshalb auch zur Euro-Umstellung keine Preiserhöhung vorgenommen hatte. "Vielleicht ist es geschäftspolitisch falsch, aber ich will nun mal meinen Kunden nicht das Geld aus der Tasche ziehen. Die schnelle Mark interessiert mich nicht.". Und so, wie er das sagt, glaubt man es ihm auch. Zum Jubiläum fragte ich also nicht nur nach den Anfängen, sondern insbesondere nach den Zukunftsplänen zu WBE.

HE: Vor zehn Jahren ging es mit WBE also los - wie kam das?

WB: Nachdem ich lange bei einem bekannten Sportwagenhersteller hier im Stuttgarter Raum in der Konstruktion tätig war, wechselte ich als Entwickler zu einem deutschen Elektronikhersteller. Das wichtigste Kriterium bei dieser Firma war aber, daß alle dort hergestellten Verstärkermodule zu allen Netzteilen und Trafos (samt der Zusatzelektronik) aus hauseigener Produktion kompatibel sein mußten. Außerdem sollten alle Module dem Kunden maximal viele Veränderungsmöglichkeiten bieten - das war die Vorgabe. Aber: Eine Optimierung nach klanglichen Gesichtspunkten war daher - zurückhaltend ausgedrückt - sehr schwierig. Auf Dauer konnte es das nicht für mich sein. Dafür war mein Ehrgeiz in Sachen Qualität in jeglicher Hinsicht schon damals zu groß. Nicht bis ins letzte ausgereizte Geräte ärgern mich irgendwie. Und als man sich dann zu "verschlanken" begann, war das sozusagen der Startschuß für WBE. Die Konsequenz in der Entwicklung war es, die mich gereizt hat. Auch wenn der Arbeitstag seitdem inzwischen nie unter 12 bis 13 Stunden hat - sechs Tage die Woche.

HE: Meßwerte spielen bei WBE offenbar eine große Rolle...

WB: Das stimmt. Ohne vernünftige Meßwerte geht gar nichts. Der Fehler vieler Hersteller ist es nur, daß sie ein oder zwei Parameter auf "Teufel komm raus" optimieren - zu Lasten der anderen. Darauf fußt auch die in den 70er Jahren entstandene Auffassung, daß Geräte mit guten Meßwerten schlecht klingen können. Das stimmt so nicht. Wenn man sich genug - und dazu die richtigen! - Werte ansieht, merkt man das sehr schnell. Für meine eigenen Geräte gilt, daß ich lieber alle klangrelevanten Einzelkriterien auf 99% bringe, ohne einen Ausreißer zu haben, als einen einzigen Wert auf hundert Prozent zu schrauben und dabei andere deutlich zu verschlechtern. Derart konzipierte Geräte können gar nicht schlecht klingen.

HE: Die Zahlen sind also ihr wichtigstes Hilfsmittel?

WB: Schon. Messungen sind die Basis meiner Entwicklungen. Und ebenso das Wissen, wie Musik von der Bühne aus klingt. Seit vielen Jahren spiele ich aktiv in Bands. Ich erinnere mich noch gut an den ersten Auftritt. Das war vor über 25 Jahren mit ganzen 16 Lenzen... Während eines verregneten Straßenfestes spielten wir in einer Scheune beim Schützenverein - und hatten dabei sofort unser erstes musikalisches Erfolgserlebnis. Immer mehr Leute kamen - was natürlich nicht am strömenden Regen, sondern an uns lag!..... Seit damals habe ich aber viel dazugelernt...

HE: Als aktiver Musiker hat man da normalerweise andere Vorstellungen denn als "Audiophiler". Wie kriegt man das unter einen Hut?

WB: Entscheidend ist der menschliche Faktor. Es gibt Auftritte, die sind einfach nur geil. Da spürst Du, daß vom Publikum was kommt, daß es knistert vor Spannung. Zwischen Band und Zuhörern entsteht da eine unbeschreibliche Atmosphäre. Genau die versuche ich mit meinen Geräten wiederzugeben - sofern sie auf der Aufnahme denn drauf ist. Denn künstlich erzeugen will ich da nix. Grundehrlich soll die Wiedergabe sein, aber jederzeit in der Lage, den "zündenden Funken" zu übertragen. Zur musikalischen "Eichung" meiner Ohren - und um mal "auf der anderen Seite des Geschehens" Musik zu genießen - besuche ich des öfteren Klassik-Konzerte.

HE: Ich hänge da noch an dem Begriff "menschlicher Faktor" ... das betrifft doch auch die geschäftliche Seite, den Handel...

WB: ... und besonders das Verhältnis zu unseren Kunden. Sonderwünsche sind kein Problem. In einer Welt, in der nur noch zählt, was sich in harten Dollars, Euros oder Yen ausdrücken läßt, sind Individualität und persönliche Ansprache von immer zentralerer Bedeutung. Noch wichtiger ist aber, daß jeder, der WBE kauft, weiß, daß es auch nach zehn oder fünfzehn Jahren kein Problem ist, Service zu bekommen. Zudem kann man jedes unserer Geräte jederzeit auf den jeweils aktuellen Stand updaten. Wesentlich ist auch die Einstellung unserer Händler. Die begreifen WBE ebenfalls immer mehr als Gesamtkonzept, was ich nach Kräften fördere. In diesen wirtschaftlich schweren Zeiten, wo auch die HiFi-Szene im Umbruch befindlich ist, ist die von uns betriebene Kundenorientierung und -bindung ein keinesfalls zu unterschätzender Faktor.

HE: Umbruch - das betrifft geräteseitig die neuen Medien SACD und DVD-A. Was tut sich diesbezüglich bei WBE?

WB: Vorerst einmal gar nichts. Zuerst mal muß sich eines der Systeme durchgesetzt haben - soft- wie hardwareseitig. Dann muß der Tonträger bezahlbar sein - die von der Industrie angepeilten 30 oder mehr Euro halte ich für Unsinn. Ausgefeiltere Aufnahmen wären viel wichtiger! Deshalb wird das WBE-Programm voraussichtlich in absehbarer Zeit erst einmal durch einen CD-Player ergänzt, sodaß eine komplette Ausstattung von der Quelle bis zum Lautsprecher verfügbar ist. Eine weitergehende, auf das Lautsprecherfurnier abgestimmte Möblierung mit Racks, Regalen etc. ist ebenfalls machbar. Nur Kabel werden wir definitiv nicht herstellen. Da gibt es einfach zu "wenige" Zulieferer im High-End-Markt .....

HE: Welche musikalischen Vorlieben hat eigentlich Walter Bret?

WB: Da bin ich nicht so festgelegt. Gut. Blues und melodischer Rock, auch Klassik liegen mir, Opern, Operetten und Free-Jazz allerdings weniger. Aber am liebsten mag ich Musik, wenn ich live auf der Bühne stehe!   WV

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